Lappeenranta

Boarnstreamed op 18-05-2011 door Heinz Fasler

Die wenigsten Wasserwanderer, damit meine ich unsere Segler und Motorbootfahrer, kennen den Saimaa-See. Er ist der grösste finnische Binnensee, liegt im westlichen Karelien nahe der russischen Grenze und erstreckt sich von Lappeenranta (61°03' N) im Süden bis über Kuopio (62° 54' N) im Norden hinaus. Der Zugang führt vom Finnischen Meerbusen, an Vyborg (RU) vorbei, über den Saimaa-Kanal. Der Finnische Meerbusen hört also nicht etwa bei Helsinki auf, wie man aufgrund der wenigen ausländischen Boote meinen könnte, sondern beginnt da interessant zu werden! Um es gleich vorweg zu nehmen, ich betrachte den Saimaa-See als grosses Paradies. Sauberes Wasser, zahlreiche kleinere und grössere Anlagestellen, bzw. Gästehäfen, einsame Inseln mit romantische Buchten und viel, sehr viel unberührte Natur. Ausser in der Ferienzeit, ab Mitte Juni (Sonnenwende) bis gegen Ende Juli, gewinnt man den Eindruck allein unterwegs zu sein. Selbst auf den offiziellen Schifffahrtsstrassen begegnet einem nur selten ein Berufsschiff. Wenn man Glück hat, kann man einen Flösser beobachten, der Baumstämme, in Paketen über mehrere hundert Meter „zusammen geschnürt“, durchs Wasser schleppt. Hier herrscht Ruhe. In den Sommermonaten wird es kaum dunkel. Je weiter nördlich, desto kürzer die Nacht. Frühmorgens scheint die Sonne aufs Deck und durch die Luken und die langen Abende laden zum beschaulichen Dasein ein. Kein Lärm – keine Hektik – Natur pur. Hier kann man die Seele baumeln lassen. Wer es mag sucht sich einen Gästehafen mit Infrastruktur und Einkaufsmöglichkeit oder aber eine einsame romantische Anlagestelle, ausgerüstet mit Müll-Container und Feuerstelle oder einen schlichten Ankerplatz. Wer einmal die finnische Sauna kennen gelernt hat, wird immer einen Blick ins Hafenhandbuch (Saimaan Käyntisatamat ja kanavat) werfen, um sich zu vergewissern, ob eine Saune zur Verfügung steht. Man findet diese traditionelle Einrichtung selbst auf abgelegenen Inseln. Pflege und Unterhalt auf letzteren wird von einer Naturschutzorganisation sichergestellt. Dazu gehört auch, dass Brennholz für die Feuerstelle und für die Sauna vorhanden ist. Dem Besucher bleibt allenfalls die Arbeit die Stämme zu zersägen und das Holz zu spalten. Säge und Axt sind selbstverständlich Teil der Einrichtung! Auch für Abwechslung ist gesorgt. Grössere Städte, wie Lappeenranta, Savonlinna oder Kopio bieten all das was wir uns gewohnt sind, vom täglichen Markt bis hin zum Theater oder Casino. Besonders zu erwähnen ist das Opernfestival in Savonlinna, bzw. in der Olavinlinna-Burg, welches Ende Juni beginnt und ca. 4 Wochen dauert. Die Aufführungen finden im Freien unter einem Zelt statt. Es herrscht eine ganz besondere, unvergessliche Atmosphäre. Die Akustik ist erstaunlicherweise hervorragend (es sei denn, es regne). Um auch die kulturellen Aspekte und die finnische Seele besser zu verstehen, lohnt sich allemal einen Blick in die Geschichte des Landes zu werfen und etwas Literatur mitzubringen. Eine Reisevorbereitung, die mir wichtig erscheint, da die Sprache ein erhebliche Barriere bildet und die Auswahl an deutschsprachigen Büchern im lokalen Buchhandel sehr beschränkt ist. Im täglichen Umgang ist die Verständigung jedoch kein Problem, denn viele Finnen und Finninnen, insbesondere junge Leute, sprechen fliessend englisch und, erstaunlicherweise, oft auch deutsch. Die Navigation im Saimaa-See ist insofern einfach als die Seezeichen vorbildlich und lückenlos vorhanden sind. Natürlich gibt es zahlreiche Untiefen und Schären sowie kleinere und grössere Steine. Auf die Karten (Merenkulkulaitos, Serie L und M) ist Verlass. Wo nichts eingezeichnet ist, ist der Grund sauber. Wer es mag, kann sich die Software für den Plotter erstehen. Die Fahrt mit der Karte und herkömmlicher Navigation finde ich jedoch reizvoller, da der Blick nicht auf den Plotter, sondern auf die schöne Inselwelt gerichtet ist. Man fährt so von einem Seezeichen zum nächsten. Besonders zu beachten ist – und das gilt für alle Schärengebiete – die grünen und roten Tonnen können bei einer Abzweigung unvermittelt die Seite wechseln. Aber das hat jeder, der es bis hierher geschafft hat, mehrfach erfahren. Mit dem Motorboot unterwegs zu sein erscheint mir ideal, denn auch kurvenreiche Routen sind leicht zu fahren. Segeln in diesem von Schären gespickten Gewässer ist anspruchsvoller und verlangt grosse Aufmerksamkeit. Auf engen Wasserwegen hilft nur der Motor. Sonstige Einschränkungen für Segler, wie Tiefgang oder Masthöhe gibt es wenige. Sie sind in der Karte gut markiert. Die Küsten-Route Ausgangspunkt der Route ist die Hafenstadt Hamina. Die Hinreise zum Saimaa-See führt, wie erwähnt, durch den Saimaa-Kanal. Dieser vermittelt einen ersten Eindruck vom kommenden grossen Wasserparadies. Für die Navigation gibt eine spezielle Seekarte (Merenkulkulaitos Saimaan kanava, Serie S). Der südliche Teil des Kanals liegt auf russischem, der nördliche auf finnischem Territorium. Gebaut wurde der Kanal von den Finnen, die auch für den Unterhalt aufkommen und die Schleusen bedienen. Die Durchfahrtsrechte über russisches Gebiet sind in einem bilateralen Abkommen geregelt. Finnische Schiffe, sowie Schiffe aus Drittstaaten können die Passage als Transitkorridor benützen. Für Schweizer bedeutet dies: Ein gültiger Pass und ein Flaggenschein, bzw. eine Flaggenbestätigung. Es ist allerdings erforderlich, die Passage mindestens eine Woche vor Reiseantritt der Kanalbehörde mitzuteilen (Notification of a leisure boat) sowie die Durchfahrtsgebühr einzuzahlen und für den Zoll den sog. „Vessels Report“, eine Kombination von Schiffs-, Reise- und Passagierdaten zum Aus- und Einklarieren, auszufüllen. Diese beiden Formulare stellt die Kanalbehörde zur Verfügung, resp. werden auf Anfrage, zusammen mit einer Reise-Instruktion, zugestellt. Wählt man die sog. Küstenroute, beginnt der Transit beim finnischen Zoll in Santio (ausklarieren). Dann begibt man sich auf die vorgeschriebenen Wasserstrasse in Richtung Vysotsk, an Vyborg vorbei, in den Saimaa-Kanal. Kaum hat man den Zollsteg in Santio verlassen und überquert nach etwa einer knappen Meile die Seegrenze, meldet sich die russische Küstenwache über VHF, Kanal 16. Sie erfragt in englischer Sprache: Name des Boots, Register-Nummer, Reiseziel und Reisegeschwindigkeit. Hält man sich strikte an die enge vorgeschrieben Wasserstrasse, bleiben weitere Anrufe aus, andernfalls wird einem der einzuhaltende Kurs mitgeteilt. Und das ist ernst zu nehmen! Mit raumgreifendem Aufkreuzen unter Segel ist also nichts. Die Küstenroute ist unspektakulär, um nicht zu sagen langweilig, denn die Küste ist zu weit entfernt, um Einzelheiten zu erkennen. Einige der in der Karte eingezeichneten Seezeichen sind nicht (mehr) vorhanden. Also kein Grund zur Beunruhigung. Über den Anblick des Hafens von Vysotsk, den man durchqueren muss, und von dem was man von der Stadt Vyborg von weitem sieht, kann sich jeder seine eigenen Gedanken machen. Natürlich könnte man Vyborg besuchen, aber das ist eine andere Geschichte. Ab Vysotsk folgt man der Markierung, resp. den Bojen, vorbei an Vyborg, bis zur ersten Schleuse (Brusnitchnoe). Hier findet die sog. „Inspection“ statt (Formular ausfüllen). Und dann geht's ab in die Schleuse. Abenteuerlich ist das nicht besonders, denn jede der 8 Schleusen ist baugleich und mit Schwimmpollern ausgerüstet. Bei der fünften Schleuse (Pälli) findet die russische Passkontrolle statt und nach dem Durchqueren des Nuijama-Sees kommt man im finnischen Nuijamaa an (einklarieren). Noch drei weitere Schleusen und man ist am Ziel, dem Saimaa-See. Bei der Reiseplanung ist zu beachten, dass man in russischen Gewässern nur von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends unterwegs sein darf. Die Meisten verbringen die Nacht am Zollsteg in Santio oder in einer nahe gelegenen Ankerbucht damit sie um 8 Uhr morgens (Moskau-Zeit: UTC+4) die Formalitäten erledigen und gleich losfahren können. Von da bis zur ersten Schleuse sind es ca. 40 Seemeilen, also rund 6 Stunden Fahrt. Und von der ersten Schleuse bis über die Grenze nach Nuijamaa müssen mindestens 4 Stunden eingerechnet werden. Bei Berufsverkehr kann es wesentlich länger dauern. Dort kann man wieder die Nacht am Zollsteg verbringen. Will man bis zum Hafen in Lappeenranta weiterfahren, dauert das weitere 2 ½ Stunden. Mein Motorboot: * Boarncruiser 1000S * Länge: 10.60 m * Breite: 3.55 m * Tiefgang:ca. 90 cm * Motor: VW Marin Turbodiesel, 100 PS * Reisegeschwindigkeit 6-7 Knoten (max. 10 Knoten) * Verbrauch bei ruhiger See ca. 0.6 l/nm

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